Zum neuen Jahr

Der Verein Initiative Müritz hilft e.V. hat das Jahr 2017 mit einem Konzert des wunderbaren Duo Nachtigall abgeschlossen. Förderer und Mitglieder waren zur Musik und dem anschließenden kleinen Empfang eingeladen.
Beim Zusammentragen der Adressen für die Einladungsschreiben fiel mir auf, wie viele Bürger unserer Stadt sich für die Hilfe- und Schutzsuchenden in den vergangenen beiden Jahren eingesetzt haben: durch aktive zeitaufwändige Unterstützung oder durch finanzielle und materielle Spenden. Das finde ich ermutigend.

Jetzt stellt sich die Frage, wie es 2018 weitergehen wird: hier, im Land und in der Welt . Wird die Bewegung gegen eine liberale und tolerante Haltung, die viele Bürger unseres Bundeslandes erst nach 1989 erlernten, stärker werden? Die Bundestagswahl hat in diese Richtung gedeutet. Werden die Menschen, die seit der Wende nur wenig über die Akzeptanz von Andersartigkeit gelernt haben, in ihrer Ablehnung alles Fremden erneut bestärkt werden, bestärkt durch die Haltung der östlichen Nachbarländer zu Asylfragen, durch die neue Regierung in Österreich, durch AfD-Abgeordnete?
In einer ersten Regelung will Österreichs neue Regierung  dafür sogen, dass Asylbewerber Geld und Handys abzugeben haben, zentral untergebracht werden und dort nur Sachleistungen erhalten, d.h. kaserniert und aller Rechte beraubt.

Begriffe wie „Verschwinden der Leitkultur“, „abnehmende Identität“, ja auch: „Verlust der angestammten Heimat“ werden zunehmend auch an gutbürgerlichen Abendbrottischen gesellschaftsfähig. Sogar SPD-Politiker bestärken das: Sigmar Gabriel hält es für wichtig,“eine offene Debatte über Begriffe wie ‚Heimat‘ und ‚Leitkultur‘ zu führen“ und: „Als Sozialdemokraten und Progressive haben wir uns kulturell oft wohlgefühlt in postmodernen liberalen Debatten. Umwelt- und Klimaschutz waren uns manchmal wichtiger als der Erhalt unserer Industriearbeitsplätze, Datenschutz war wichtiger als innere Sicherheit“ (Spiegel 51/2017). Das klingt, als sei die Zukunft der Welt eine Angelegenheit postmoderner liberaler Debatten in Salons intellektueller „Spinner“ und der Datenschutz ein überflüssiges Anhängsel der Demokratie. Gabriel wendet sich auch gegen eine “ durch Diversität, Inklusion, Gleichstellung, Political Correctness gekennzeichnete „Postmoderne“ und erklärt das Jahr 2015 als „Jahr der offenen Grenzen“ zu einem „Sinnbild für die Extremform von Multikulti, Diversität und den Verlust jeglicher Ordnung.“ (s. dazu auch: Margarete Stokowski). Er sollte sich um das Amt des Außenministers in der neuen Österreichischen Regierung bewerben, statt weltoffene SPD-Mitglieder zu verunsichern.
Im gegensatz zu ihm  habe ich die beiden letzten Jahre als Bewältigung von Problemen durch zivilgesellschaftliches Engagement erlebt:
Die meisten in Waren lebenden Geflohenen können sich jetzt auf Deutsch verständigen und finden sich selbständig zurecht. Nach erfolgreichen Praktika nehmen sie in zunehmendem Maße Arbeit auf, beenden erfolgreich eine Aus- oder Weiterbildung.
Das trifft natürlich nicht für alle zu, und mancher Problemfall wird uns auch künftig beschäftigen.

Diese Arbeit wollen wir fortführen im Interesse derjenigen, die unsere Hilfe brauchen, aber erst recht im eigenen Interesse, uns eine freie, liberale, tolerante Lebensweise nicht durch Ansichten der Kaczynskis, Orbáns, Straches und Höckes zerstören zu lassen.

Ich wünsche uns allen ein gutes 2018!

Jörn Burmeister