Ein kleiner სუფრა

„Der Gast ist ein Geschenk Gottes“, sagt man in Georgien. Wir können das Sprichwort umkehren: Die georgischen  Gastgeber waren für uns das Gottesgeschenk.

Wir bekamen an diesem Abend einen winzigen Ausschnitt einer georgischen Festtafel – der Supra (სუფრა) – präsentiert, bei der die Speisen in die Mitte des Tisches gestellt werden, so dass sich die Gäste nach Herzenslust bedienen können. Gefehlt hat der Tamada (ტამადა) – ein Zeremonienmeister, der für die Trinksprüche und einen gelungenen Abend zuständig ist. Getrunken werden darf eigentlich nur, wenn der Tamada einen Trinkspruch ausspricht. Das ist kein „Prost“ oder „Wohl bekomm’s“, sondern es sind wohlgesetzte Sprüche, die Gott danken, den Gästen Wohlergehen wünschen, den Familien Reichtum, den Heimatländern aller am Tisch sitzenden Frieden; Freundschaft und Liebe dürfen nicht fehlen.

Ich erinnere mich an ein unvergessliches Reiseerlebnis in Georgien: Wir waren vor Jahrzehnten auf einem Zeltplatz am Schwarzen Meer von georgischen Nachbarn eingeladen worden, an einer langen Tafel im Freien als Gäste Platz zu nehmen. Einer der vielen Trinksprüche hatte zum Inhalt, dass unsere Freundschaft so tief sein möge, wie die Wasser des Schwarzen Meeres und so lange währen solle wie sich der blaue Himmel über die Heimat Georgien wölbt. Es wurde ein langer Abend…

Wir mussten am vergangenen Donnerstag noch ohne Trinksprüche ausgekommen, denn dafür hätten wir Mecklenburger lange zu üben. Ich hoffe, es wird ein nächstes Mal geben, dann nach georgischem Brauch an gemeinsamer langer Tafel , mit neuen Gerichten aus Georgiens reichem kulinarischen Schatz.

Wir danken Ketewan, ihrem Mann David und ganz besonders auch ihrer Tante für einen wunderbaren Abend .

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Niko Pirosmani (1862-1918):  Ein georgisches Festessen zur Weinernte (Tweli).
Quelle: Wikimedia Commons