Syrische Gerichte

Syriens Küche ist für die Kultur des Mittleren Ostens repräsentativ, denn viele Völker prägten die Speisen des Landes. Shish Kebab, Hummus und Baklava kennt inzwischen die ganze Welt, doch die große Vielfalt dieser Küche ist den meisten von uns unbekannt.
Essen spielt in Syrien eine große Rolle im familiären Leben. Alle Familienmitglieder versuchen, zu den Mahlzeiten zusammenkommen. Immer wird frisch gekocht und fast täglich eingekauft, entweder auf einem der vielen Märkte oder in einem Lebensmittelgeschäft. So war es jedenfalls vor dem Krieg.
Auch wenn die frischen Zutaten für das Essen hier nicht auf einem großen Markt – wie früher bei ihnen zu Hause – eingekauft werden konnten, hatten Maissa und Ammar herbeigeschafft, was in unserer Region an nötigen Zutaten zu bekommen war und gaben uns gestern einen Einblick in die Vielseitigkeit syrischer Gerichte.

Maissaa, Hnaade und Abeer zeigten ihr Können, auch ihre Männer halfen:
Tabouleh ( تبولة ) – ein Salat der syrischen Küche – durfte nicht fehlen. Kibbeh (كبة) sind frittierte „Kugeln“ aus Bulgur, gefüllt mit Hackfleisch und Zwiebeln. Mit Mahshi (محشي) – was so viel wie Gefülltes heißt – sind in Syrien hauptsächlich Auberginen oder Zucchinis gemeint. ًWir wurden mit Kusa Mahshi ( كوسا محشي ) verwöhnt – Zucchinis mit Rinderhackfleisch gefüllt. In unserer Küche völlig unbekannt ist das Muskraut – auf Arabisch Mlochiye ( ملوخية ) . Daraus hatten die Köchinnen eine wohlschmeckende Gemüsebeilage mit Hähnchenfleisch, Knoblauch und Gewürzen zubereitet.
Zum Essen gab es ein Erfrischungsgetränk aus Süßholz: Erk soos (عرق سوس). Es ist ein mit Wasser und einem Hauch von Zucker gemischter Süßholzwurzelextrakt – ein beliebter Durstlöscher an heißen Tagen in Syrien. Die Deutschen trinken zum Essen wohl lieber Wein oder Bier, zur Not auch Wasser.

Ammar hatte einen kleinen Vortrag über seine Heimat vor dem Krieg vorbereitet. Alle hörten interessiert zu und erfuhren manches Neue. Zum Schluss zeigte er ein Video beginnend mit einem Propagandaclip des russischen Kriegsfotografen Alexander Puschin von RUSSIAWORKS.RU (zynisch: „Russland arbeitet“). Die Drohnenkamera schwenkt über einen Distrikt der syrischen Hauptstadt Damaskus, zu sehen ist die apokalyptische Trümmerlandschaft, Rauchwolken steigen auf. Man sieht vereinzelt Menschen inmitten von Explosionen und schießende Panzer der syrischen Armee. Im zweiten Teil zeigt Ammar im Video die Ergebnisse dieser „Arbeit “ – zerstörte historische Gebäude, Kranken- und Kaufhäuser, Wohnungen. Dieser kleine Film über das verheerende Ausmaß des gegenwärtigen Krieges machte allen Anwesenden noch einmal klar, welchen Verlust die Syrer erleiden – auch wenn er mit einem hoffnungsvollen Satz endete, dass Syrien leben wird.

Danke für diesen Abend!